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Spaziergang im Freilichtmuseum in Sóstó

 

Kaum fünf Kilometer vom Stadtzentrum von Nyíregyháza entfrent liegt Sóstó­gyógy­fürdõ, der bereits im vorigen Jahr­hundert be­liebte Bade-, Erholungs- und Unterhal­tung­sort. In der nordöstlichen Ecke dieses Ge­bietes, in der Nachbar­schaft der Schmal­spurbahnhaltestelle wird seit 1971 das ein­zige open air eth­no­graphische Museum in Nordost­un­garn, das Freilichtmuseum Sóstó ge­baut.

Durch das Tor gelangt der Besucher in ein wahres Dorf vom Ende des vergan­genen Jahrhunderts. Durch das Laub schimmert der Turmhelm aus Hol­schin­del des höchsten Gebäudes des Dorf­zent­rums, des stim­mungs­­­vollen Glocken­turms aus Tivadar durch, dann ziehen gleich die durch große Glasfenstern ge­deckten Portale der Werk­stät­­te der Klein­handwerker die Aufmerk­sam­­­keit an sich. Mag der Besucher im Win­ter oder im Sommer kommen, er findet stets et­was Inte­res­san­tes vor, das Dorf zeigt im­mer ein an­deres Gesicht: die stechende Son­ne des Hoch­sommers oder die sanft be­rüh­renden Sonnenstrahlen im Winter be­leuch­ten in ei­nem anderen Winkel die Walm­­dä­cher und die geschnitz­ten Gang­­pfosten der Gebäude, die sich durch ihre Schatten­bilder an den Wän­den nein­ahe ver­viel­fa­chen.

Es ist nun kein Wunder, daß das Muse­um Jahr für Jahr von immer mehr in- und ausländischen Besuchern besichtigt wird und in den letzten Jahren das Frei­licht­mu­se­um Sóstó die meistbesuchte Samm­lung des Komitats geworden ist. Die bei der Grün­dung des Museums im Jahre 1970 ge­stellten Ziele gehen durch die Bauetappen des Dor­fes in Erfüllung, die jährlich immer neu ein­geweihten Ge­bäude, die ethnogra­phi­schen Gegen­stän­de der Sammlung prä­sentieren­den Zeit­ausstellungen und die vom Frühjahr bis zum Herbst fast ununter­bro­chen durch­geführten interessanten Kultur­prog­ram­me zie­hen das Publikum in ih­ren Bann.

Aber was macht dieses Gebiet vom sie­beneinhalb Hektar zu einem solch be­lieb­ten kulturellen Zielpunkt? Das spielt wahr­schein­lich auch die gute Luft hi­nein, aber oh­ne Befangenheit können wir be­haupten, daß das heute nirgend­wo mehr aufzu­fin­dende Dorfbild, die Ge­bäude­komp­lexe, die Vielfalt der Ein­rich­tungen und die ab­wechslungs­rei­chen Program­me dieses Image gemein­sam ausgestaltet haben, jenes anzie­hen­de Gesamtbild, wes­wegen jährlich mehr als fünfzig­tau­send  Besucher das Dorf auf­su­chen.

Im Freilichtmuseum gibt es also genug an Sehenswürdigkeiten, die Interessen­ten sind aber auch darauf neugierig, wie diese Gebäude hierhergelangt sind. Für das Leser­pub­likum dieses Heftes fasse ich die wich­tigsten Momente zusam­men, durch die ein Einblick in die Um­stän­de der Versetzung ei­nes Gebäudes vermit­telt werden kann.

Die Umsiedlung nimmt mit der Aus­wahl eines geeigneten Objektes ihren An­fang. Der Bebauungsplan wurde von Experten noch im Jahre 1970 bewilligt, nach dem - unter Berücksichtigung der inzwischen notwen­di­gerweise erfolgten Modifizierungen - die Gestaltung des Areals des Freilichtmuseums erfolgt. Das Gebäude wird von Architekten vermes­sen, dann beginnt die überhaupt nicht sehenswerte "Zerstörungsarbeit", in­dem das Haus oder ein Wirtschaftsgebäude in transportablen Zustand gebracht wird. Während der Zerlegungsarbeit muß die Ver­messungsdokumentation sehr häufig prä­zi­siert werden, da in den Wänden oder unter dem Fußboden (hier können meist die Spu­ren der abge­risse­nen Heiz­vorrichtungen auf­gefunden wer­den) von außen nicht sicht­bare Kon­strukti­o­nen zutage kommen, die zu der Wieder­herstellung und zum Zeitalter des Ge­bäu­des Anhaltspunkte geben. Die ein­zel­nen Konstruktionsele­mente wer­den nu­­meriert, damit sie bei dem Neu­aufbau ih­rem ursprünglichen Platz zu­geordnet wer­den können. Wäh­rend der Arbeit wer­den sehr viele Foto- und Vi­de­o­auf­nah­men ge­macht, die alle­samt bei der Re­konstruktion behilflich sind und das Ma­terial doku­men­tieren.

Nach der Einlieferung der Elemente er­folgt deren Ergänzung, Konservierung, dann der Wiederaufbau selbst. Natür­lich nicht je­des Element oder Bauma­te­rial kann erneut verwendet werden, da z.B. die Lehmwand, die Abdeckungs­ma­terialien (Stroh, Schilf, Rohr­­matte) nicht umsiedelbar sind. In die­sen Fällen er­folgt der Bau mit dem Original identi­schen Materialien, unter Anwendung der bei dem Bau verwendeten techni­schen Ver­fahren, bis der Bau die Origi­nal­form wie­­der erlangt.

 

Nicht in jedem Fall gelingt es aber das aus­gesuchte Gebäude zu erwerben (das gilt besonders für die öffentlichen Ge­bäude, da wir die Kirche oder den Glocken­turm aus ei­ner Geimende nicht wegtransportieren kön­­­nen, um diese nicht eventuell ihrem ein­zi­gen Denkmal zu berauben). In dieser Situ­a­­ti­on ent­scheiden wir uns für die Rekon­struk­­tion, was bedeutet, daß auf Grund von schrift­lichen Dokumenten und Fotoauf­nah­men ein heute nicht mehr stehendes aber einst existierendes Objekt aus neu­en Mate­ri­a­­lien aufgebaut wird.

Nach dieser kurzen technischen Einlei­tung machen wir im Dorf vergangener Zei­ten einen Rundgang! Da das Komitat Sza­bolcs-Szatmár-Bereg schon immer ein Ge­biet verkörpert hat, wo die kul­tu­rellen und son­tigen Einflüsse sich mitei­nan­der ver­mischt haben, haben sich voneinander ganz abweichende Merk­male in der Volk­bau­kunst herausge­bil­det, die in dieser Zusam­men­­­set­zung im Land anderswo nicht auf­zufinden sind. Auf diesem annähernd 6000 km2  gro­ßen Gebiet können wir vonein­an­der in Ent­fernung von einer Stunde Gebäde­ty­pen und Heizvorrichtungen vorfinden, die ’die typi­schen Merkmale der Volks­bau­kunst in Sie­benbürgen, Oberungarn und in der Tie­fe­be­ne zeigen. Unser Mu­se­um präsentiert die ty­pischen Höfe und Gebäudekomplexe der ein­zelnen grö­ße­ren Regionen nach eth­no­­gra­phischen Landschaften gegliedert. Da wir ein "ech­tes" Dorf aufbauen wollen, kön­nen wir auf die öffentlichen Gebäude nicht ver­zichten, die an der frequentiertesten Stel­le, im Dorfzentrum ihren Platz be­kommen ha­­ben.

Der Route des Spazierganges folgend (in der Hoffnung, daß die Leser dieses Hef­tes un­­ser Museum auch besuchen wer­den!), be­­­trachten wir nun das Museum selbst et­was nä­her!

Beim in Alpenstil gebauten hölzernen Ein­gangsgebäude gehen wir nach rechts, wo ein mit Steinen ausgelegter Weg ins Dorf­zent­rum führt. Auf der linken Seite der Stra­ße verbergen sich hinter den Portalen der an­­nähernd 40 Meter langen Geschäftsreihe die Werk­stätten der einstigen Handwerker. In dem alten Gebäude aus Nyíregyháza rei­hen sich die mit Originalwerkzeugen und Mo­biliar ausgestatteten Werkstätten des Leb­­­küchlers, des Schuhsters, des Hutma­chers, des Blaufärbers, des Kü­fers, des Rad­ma­chers und des Riemen­schneiders anei­nan­der. Beim Einrichten haben die Hand­werker, die ihren Beruf auch noch ausüben, Hilfe geleistet, so sind alle Werkzeuge und Inst­rumente vorhanden, mit denen die Meis­­ter an den Schautagen arbeiten kön­nen. In dem letzten Raum haben wir die Do­­­ku­mente der Zunftindustrie des Komitats ausgestellt; auf Grund dieser können die Sat­­zungen, die Lebensführung usw. der ehe­maligen Handwerkerorganisationen rekapi­tu­liert werden.

Hinter den Werkstätten steht die Dorf­schu­le aus Barabás, mit Holzschindel be­deckt und mit Bretterbrüstung. Die Schule, die ihre heutige Form am Ende des vorigen Jahrhunderts bekommen hatte, war ur­sprünglich im Besitz der reformierten Kir­che. In ihren zwei Schul­klassen haben die Jun­gen und die Mädchen in ungeteiltem, sechsklassigem System gelernt. Der mittlere Raum des Gebäudes beherbergt das Zimmer des Lehrers, in dem Klassenzimmer auf der rechten Seite wird in zwei-drei Zeittaus­stel­lungen im Jahr ein Teil der Exponate des Mu­­seums gezeigt.

Im kleineren Gebäude gegenüber der Schu­­­le ("Feuerwache") sind ein Lösch­wa­gen und ein Wassertonnenwagen un­tergebracht. Die mit Hilfe der städ­ti­schen Feuerwehr er­richtete Feuerwache wurde ehemals in den Dörfern von der Bevölkerung betrieben. Be­sonders zu Som­­merzeiten wurde die stän­dige Wa­che benötigt, da die sich zur Reife nei­gende Getreide sehr feuergefährlich war und da ist noch die Vielzahl der Ge­bäu­de mit Schilf- und Schindeldach, die in der Hit­ze leicht Feuer fangen, noch gar nicht erwähnt. Nach Häuserreihe wur­den zwei-drei Dorfbewohner zu re­gel­mä­ßigen Feuer­wa­che abgeordnet: ei­ner von ihnen hat im Turm seinen Dienst getan, die anderen lie­ßen im Aufent­hal­­t­s­raum der Zeugkammer die Zeit vet­rei­ben. Im Falle eines Feuers ha­ben sie Glocke läuten lassen, die eben­falls bereit­stehenden Pferde eingespannt und klein und groß rannte das Feuer zu löschen.

Die nächste Sehenswürdigkeit in der rech­­­­ten Straße des spindelförmigen Dorf­zent­rums, das nach dem sich in der Ober­­t­heiß-Gegend im Mittelalter verbrei­teten Muster aus­gestaltet wurde, ist der Hof aus Tiszadob (Nyíri Mezõség). In dem Gebäude mit Schilf­­dach, unvollem Walm und Gang sol­len in erster Linie die Heizkörper beachtet wer­­den: in der Hausdiele sind ein ein­ge­leg­ter Herd und Kessel, im Zimmer neben dem Bau­­ern­ofen ebenfalls ein eingelegter Herd zu finden. Der einstige, alleinstehende alte Be­sitzer hat sich als Tausendkünstler mit aller­lei beschäftigt, so hat er in dem als Kam­mer dienenden hinteren Raum eine Ecke als Werk­statt eingerichtet, hier kann man die zu den kleineren oder grö­ßeren Re­paraturen nötigen Werk­zeu­ge und Geräte finden. Die traditionellen Geräte des An­gelns, was für die Bevöl­kerung an der Theiß als "Nebener­werb" diente, sind ebenfalls in diesem Raum ausgestellt.

Ein länglicher, schilfbedeckter Schuppen unter den übrigen Gebäude des Hofes (der mit der Rückseite zur Straße ge­bau­te Stall und Wagenunterstell, sowie der hinter dem Haus verborgene Schwei­ne­stall und der sich mitten im Hof auf­ra­gender geschnitzte Brun­­nen) beherbergt einen interessanten Ge­­gen­stand: der aus der Theiß vor einigen Jah­ren bei Tisza­becs geborgene 12 m lange Kahn wurde laut Untersuchung im 15. Jahr­hundert aus einem einzigen Eichen­stamm ge­fer­tigt, das dazu ver­wendete Ei­chen­holz wird 500 Jahre alt geschätzt. Es ist nicht gek­lärt, für wel­che Zwecke er ver­wen­det wur­de: man­che Forscher wollen ihn als Salz­trans­portboot, andere als Zube­hör einer Was­sermühle bestimmen.

Wenn wir weitergehen, folgen die Ge­bäu­de des Hofes eines Armbauern aus dem Nyírség. Das kleine Wohnhaus, das in der Mitte des Hofes bescheiden steht, stammt aus Pócspetri, dahinter wurde der Erdestall (auf rumänisch "burgyé"), der sich mit sei­nem Dach eben aus der Erde hervorhebt, nach Leveleker Muster gebaut, früher hat man dieses Gebäude des öfteren benutzt. Wie wir auf Grund der Kopie des Gna­den­bildes aus Mária­pócs mit kyrillischen Buch­staben ent­ziffern können, diente die Ein­rich­tung des Hauses als Wohnplatz eines Hin­ter­sassen griechisch-katholischen Religi­ons, ruthenischer Abstammung, die sich heut­­zu­tage ins Ungarntum assimilierte. Sei­ne ar­cha­ischen Feueranlagen und die Möbel ha­ben seit der Jahrhundertwende bis zum En­­de der 1980er Jahre das na­hezu ein Jahr­hun­dert fast unverändert überstanden.

 

 

Die Bauten des nächsten Hofes kamen ebenfalls aus der Nyírség, aber aus des­sen nördlichem Teil zu uns. Das im Jahre 1816 errichtete Wohnhaus aus Anarcs ist eines unserer wertvollsten Ge­­bäude: seine sorg­fäl­tig geschnitzten Gangpfosten, die gesägten Bretterver­zie­rungen an seiner Straßenfassa­de haben bereits das Interesse der Archi­tek­ten des Milleniumsdorfes der Tausend­jahr­aus­­­stellung im Jahre 1896 in Budapest ge­weckt, dort hat dieses Haus als Muster zum sog. "ungarischen Haus im Komitat Sza­bolcs" gedient. Von Interesse ist auch das Mau­erwerk des Gebäudes: die Dach­konst­ruk­tion wird von riesigen Ei­chenbalken ge­tragen, die Zwischen­rä­u­me werden von wer­tikal laufendem Flecht­werk ausgefüllt. Das ganze wurde von innen und von außen dick ver­schmiert, bis die gewünschte Wand­stärke erreicht wurde.

Von den großräumigen Zimmern des Hau­­ses stellen das Zimmer zur Straße und die Flur die lebensweise eines mit­telstän­di­schen Bauern dar, während in der hinteren Räumlichkeit die ständige Ausstellung über die 30jährige Ge­schich­te des Freilichtmu­se­ums und über den Prozeß der Umsiedlung der Gebäu­de zu sehen ist.

Die Nebengebäude des Hofes stammen aus Berkesz. Im Zuge ihrer Umsiedlung ha­ben wir eine spannende Entdeckung ge­macht: bei der Aushebung der Rüben­miete sind vier Gräber ans Tageslicht gekommen; in den 20 Gräbern, die unter Leitung von Ar­chäologen in den drei ver­gangenen Som­mern währen der Som­merlager freigelegt wur­den, liegen Spätavaren. Die Erschlie­ßung des sich vermutlich auch auf die an­de­ren Teile des Hofes ausdehnenden Grä­ber­fel­des wird in den nächsten Jahren fort­gesetzt.

An dem dritten Hof aus der Nyírség kann der für den mittleren Teil des Gebietes ty­pi­schen Baustil der Tiefebene beobachtet wer­­den: das Wohnhaus mit Schilfbe­de­ck­ung und Hausflur wurde aus Kállósemjén über­siedelt, wie auch den dahinter­ste­hen­den Stall. Das am Ende des Hofes stehende Ge­­bäude ("De­po") für Heulagerung (später für Tabak­trocknung) stand ursprünglich in Nyír­­lugos. In den beiden, voneinander durch Bogenflur abgetrennte Zimmern neh­men von außen heizbare Bauernofen den grö­ßten Teil des Raumes ein. Die Möb­lie­rung der Zimmer ist aber unter­schiedlich: während der hintere Raum (das kleine Haus) ist mit den um die Jahrhun­dert­wen­de angefertigten Bau­ern­mö­belstücken des äl­teren Ehepaars ein­ge­rich­tet, sind in dem großen Haus zur Stra­ße die städtische Ein­wirkung der 30er Jahre zei­genden topo­lyás Mö­bel der Kinder zu sehen. Auf der Kom­mode unter dem Haupt­balken sind die bei der Kirmes in dem na­he­gelegenen Mári­a­­pócs gekauften Devoti­o­nalien plaziert, als Hinweis auf die grie­chisch-katho­li­sche Kon­fession der Bewoh­ner.

Wir setzen unseren Spaziergang noch im­­­mer im nördlichen Teil des Dorfzent­rums fort, aber auch der Laie entdeckt den Wech­sel: der nächste Hof stammt aus Bereg. Die aus Tarpa umgesiedelten Gebäude ver­treten einen von den vor­herigen gänzlich abste­chen­den Stil. Die robusten ged­rech­sel­ten Flur­säulen, das hohe, aus Stein ge­legte Fun­dament des Wohnhauses mit klas­si­­zis­tischer Fassa­den­verzierung und Blech­dach, all die im Hof stehenden Wirt­schafts­ge­bäu­de (die Sommerküche und der Korn­speicher, das Back- und Dörrhaus, der aus breiten Ei­chen­brettern gebaute Schwei­ne­stall, gegen­über die Scheune - in der eine Aus­stellung von alten landwirtschaft­li­chen Maschienen und Geräten zu sehen ist - und der mit der Scheune zusam­men­gebaute gro­ße Stall) zeu­­gen von dem Wohlstand, der Ver­mö­gend­heit der einst hier lebenden Men­­­­schen. Darauf weisen auch die Einrich­tung des Zim­­mers im Wohnhaus, und die Aus­rüs­tung der Küche hin. Die in den Meis­ter­bal­ken eingeschnitzte In­schrift ("Dieses Haus baute ich Ká­roly Belényesi mit mei­­­ner Frau Sára Madai 1881 Feb.") in­for­miert die Nach­welt über die Person des Bau­herrn und über die Bauzeit.

Aus dem westlichen Zipfel des spin­del­för­migen Dorfzentrums zurückkehrend kön­nen wir uns bei dessen südlichem Bo­gen von der Anstrengung ausruhen. Der aus Ba­ra­­bás über­siedelte Krämer­la­den und die Knei­­pe bie­ten die Möglich­keit einer idealen Erho­lung. In dem Ge­schäft, das mit Möbel­stücken aus der Zwischenkriegszeit einge­rich­­tet ist, locken neben den ausgestellten alten Erinnerungsgegenständen und Mobi­liar (Gewürzenschrank mit vielen Schub­la­den, geöffnete Regale oder mit Glastür, auf de­nen sich Warenkisten reihen, die auf der Theke stehenden Auslagen, Glastöpfe und an­dere Geräte, Eis­schrank, Karamellautomat usw.) auch heutige Handwerkerprodukte und Mu­se­­ums­publikationen zum Kauf. Die Durstenden können in den Nebenraum, in die Kneipe mit Schankraum, bock­füßigem Tisch und Sitzbank einkehren, um sich zu erfrischen.

Wir haben eigentlich den in der Mitte emporragenden Glockenturm schon he­rum­gegangen, aber jetzt haben wir die Möglich­keit ihn unter die Lupe zu nehmen. Der 1757 von Mózes Papp ge­baute, mit Schin­deln gedeckte Turm stand in Tivadar neben der Kirche bis 1937. Da wurde er abgerissen, aber ei­nige Fotos aus den vorhergehenden Jah­ren und die Vermessungszeich­nun­gen sind erhaltengeblieben. Auf dieser Grund­la­ge wurde der Entwurf der Re­kon­struktion er­stellt, nach dem rumä­nische Arbeiter das Gebäude in unserem Museum in drei Mo­naten zusammen­ge­stellt haben. Der annä­hernd 16 m ho­he Turm mit Eichen­konst­ruk­­tion ist nur ei­ner unter den mehr als 20, die in dem Ober­theiß-Gebiet des heutigen Un­garns aufzufinden sind. Sein schmaler Helm, seine mit Brett gedeckte Galerie re­prä­sen­tie­ren die hervorragendsten Werte der Zim­mer­mannskunst. Hinter ihm werden 1995 die Kirche aus Kisdob­rony und die Paro­chie aus Csaroda auf­gebaut, die von den Sakralbauten der über­wiegend refor­mierten Einwohnern eine Kostprobe geben. Auf dem noch leeren Grund­stück neben dem Pfarr­haus wird 1996 das aus dem Be­zirk Szatmár, aber aus dem in der Nyírség liegenden Jármi stammende Wohnhaus ei­nes Klein­ade­li­gen aufgebaut. Das mit Holz­­­schindeln ge­deck­te, aus Ziegel gebaute, mit runden Stein­pfeilern unterstützte Ge­bäude mit Flur wird die Haus- und Wohn­kultur des einst im Bezirk an der Zahl weit über dem Lan­desdurchschnitt leben­den Klein­­­adels dar­stellen.

Wir verlassen das Dorfzentrum und durch einen Akazienweg erreichen wir den Hof, der die Baukunst der typischen Sied­lungsform - "Gebüschgehöft" - der in Nyír­egyháza und in deren Umgebung lebenden "Tirpaken" von slowakischer Ab­stammung zeigt. In dem Gebäude, das aus dem heute shon zu Nagycser­kesz gehörenden Cigány­bo­­kor stammt, sind der Wohnraum, die Kam­­­mer vom Gang, der Stall und der Wa­gen­­schup­pen unter dem selben Dachstuhl zu fin­den. Die hier gelebte evangelische Ein­wohnerschaft ist das Nachkommen der in der Mitte des 18. Jhs. hierherge­sie­delten sla­wischen -"tót"- (in der Zeit noch nicht slo­wa­kischen!) Bevölkerung, die sich in der Hoffnung eines besseren Lebens einen neu­en Wohnort auf dem Tiefland ge­wählt ha­ben. Es fehlen noch die kleineren oder grö­ße­ren Wirtschafts­ge­bäude des Hofes, aber nach­dem sie fer­tiggestellt sind, können die Be­sucher einen kompletten Ackerhof besich­ti­gen.

Auf die Hauptstraße zurückgekehrt er­blicken wir neben dem mit charakteris­tisch protestantischen Grabhölzern aus Szatmár-Bereg "bevölkerten" Friedhof, das Haus des Friedhofswärters mit sei­nem hohen, stei­len Dach. Das Gebäude mit getretener Stroh­­bedeckung haben wir aus Nagyhodos übersiedelt. Das zweiräumige Haus ist ein ty­pisches Bei­spiel für die Baukunst der Arm­bauern in Szatmár.

Über dem "garád" (lebender Hecken­­zaun) kommen uns drei Hütten in Sicht. Diese Bau­ten stel­len die Wohngebäude des Zigeu­nertums des Be­zirkes dar, welche auch heute noch auf­zu­fin­den sind. Die Erd­hütte diente den ärmsten und am meis­ten hilfsbedürftigsten Schich­ten als Woh­nort, die beiden anderen sicher­ten für die dort wohnenden häufig viel­­­köpfigen Familien schon bessere Um­stände. Die Ziegelschlaggrube und die auf­ge­schich­teten Lehmziegel geben eine Kost­probe von dem typischen Beruf des Zigeu­ner­tums in un­serem Bezirk.

Gegenüber den Hütten macht uns ein aus Nagyhalász übersiedelte Brettkorn­spei­­­cher auf sich aufmerksam, hinter ihm ragt die Erdaufschüttung der Tri­bü­ne der Frei­­­licht­bühne empor. Wir ge­hen an ih­nen vor­­bei, und gehen über die Brücke, die das Mu­seum zweiteilt, da kommen die Bau­ten einer neuen Region, der Rétköz ins Au­ge. Die Rétköz war bis zu den Ent­wäs­se­run­gen im letzten Jahrhundert ein sumpfi­ges, moo­ri­ges Gebiet, deshalb konnten die dort le­ben­den Menschen nur die Rücken über den Wiesen beackern. Die wichtigste Quelle des Abkommens war die Vieh­hal­tung. Das be­­weist sich auch in der Bau­kunst: gegen­über dem relativ kleinen Wohn­­haus erhöht sich ein riesiger Stall, der für 25-30 Tiere auf­­­nahm. Einer der bei­den Höfe zeigt die Bau­­kunst der rei­cheren Groß­tierzüchter-Schicht, der an­de­re (aus Paszab auf dem Hügel) die der armen. Der letzt­genannte ist ein­zig in seiner Art: obwohl er 1871 gebaut wur­de, re­­präsentiert er noch die Bauform der frü­he­ren Jahr­hun­derte. Die Wan­dung des fast bis die Fenster in den Bo­den ge­senk­ten Hau­ses ist sehr niedrig, als würde sie sich gerade jetzt aus dem Boden ausheben. Seine Küche ist be­mer­kenswert, sie ist mit bunten hand­ge­mal­ten Blumen­mo­tieven ge­ziert.

Die Höfe auf der anderen Seite der Haupt­­­­­straße zeigen die Baukunst ver­schie­de­ner gesellschaftlicher Schichten. Das aus Nagy­hodos übersiedelte Wohn­haus eines Kleinadeligen ist das Bei­spiel für das Zu­hau­se des einst kaum ver­mögenden "Land­junker"-Adels. Die Ei­chenkonstruktion des 1830 gebauten Hauses (die Wand ist auch in diesem Fall auf einem Untersatz ruhende Heckenwand), die schön geschnitzten Gang­pfeiler, der Schweinestall aus Tar­pa auf dem Hof und die Brunnensäule mit geschnitztem tulpenförmigen Ab­schluß sind Parade­bei­spie­le für das Ge­staltungsvermögen der künst­lerisch ver­an­lagten Bauernschaft.

Den Hof aus Jánkmajtis in der Nach­bar­schaft können wir durch das ge­deckte trockene Tor, durch mit Tulpen­mo­tiven schön gezierten Torpfosten be­treten. Die Ge­bäude des Hofes eines Mit­telbauern aus Szatmár (der Brettkorn­speicher, die Holz­kam­­mer, das Back­haus, die Scheune von ge­waltigem Aus­maß, und für die Tiere der Schwei­ne­stall, der Stall und das Hühner­haus), ge­ben eine Kostprobe von der Haus- und Wohnkultur der Reichbauern, die ein hö­heres Lebensniveau hatten als die Mehr­heit des Kleinadels.

Mit dem letzten Hof sind wir eigentlich zu unserem Ausgangspunkt, zu dem Ein­gang zurückgekommen. Durch das "Stock­tor" mit einem Schlagbaum tre­tend kommt das Wohnhaus des 1843 in Tiszabecs ge­bau­te armbäuerlichen Ho­fes aus Szatmár ins Auge. Die Form des Hauses stimmt mit der des schon früher vorgestellten Hauses des Fried­hofs­wär­ters aus Nagyhodos überein, mit dem Unterschied, daß es in diesem Fall noch einen Raum auf der anderen Seite des Vorhofes gibt. Stellen wir den Kamin, der als Einwirkung des Haustyps aus Sieben­bür­gen auch in unserem Gebiet vor­handen ist, in diesem kleineren Zim­mer dar, bekam die für die Tiefebene cha­rakteristische Heizung, der Ofen auf dem Vorhof, unter dem "Pen­dely­schorn­stein" seinen Platz.

Die Wirtschaftsgebäude des Hofes sind Beweise für die ärmlichere Lebens­füh­rung: die gegenüber dem Haus stehende "Mais­scheu­­ne" mit Flechtwand, die ähn­liche, aber von außen verkittete "Hüh­ner­scheu­ne" und daneben das Bie­nenstock sind von bescheidener Aus­füh­rung. Am Ende des Ho­fes sind das unter den Pflaumenbäumen ver­steckte Dörr­haus und das Futterhäuschen "abora" mit entlang vier Stangen beweg­li­chem Dach architektonische Requisiten, die auf dem heutigen Gebiet Ungarns nur in un­­serem Bezirk aufzufinden sind.

 

Während des ungefähr zweistündigen Spa­ziergangs kann der Besucher, der in das Museumdorf in Sóstó einkehrt, die bau­li­chen Denkmäler eines ganzen Be­zirks ken­nen­lernen. Wir hoffen, daß die­ser Besuch in unseren Gästen Interesse auch für das Ge­biet weckt, aus dem wir unsere Gebäude übersiedelt haben. Mit dem touristischen Slo­­gan des Bezirks neh­men wir Abschied: "Sie werden na­tür­lich erwartet!"